Schriften

Statements, Thesen, Sprüche

Zu seiner Tätigkeit als Hochschullehrer (1919/20)

„Ich nahm meine Tätigkeit als Architekturlehrer sehr ernst und war darin wie in allem überhaupt fleißig und strebsam und wäre ich dortgeblieben und später Direktor geworden, dann hätte ich alle Lehrer und Lehrerinnen wegen Unfähigkeit entlassen, und überhaupt ein sehr strenges Regiment geführt. Ich liebte meinen Beruf, habe gerne unterrichtet und mein Unterricht war überzeugend. Selbst bei der Arrangierung des schönen großen Künstlerkostümfestes, das nur ich anregen und durchführen konnte, war ich ernst und fleißig bei der Sache, ich ging ganz darin auf. Hätte ich das nicht getan, wäre es kein Erfolg geworden. Gewiss haben die anderen Lehrer und Klassen auch ihr kleines Können gläubig mit beigesteuert, aber das alles verblasste neben mir Kanone. Meine Dekorationen hingen noch, als schon alles andere weg und ich schon längst in Berlin wieder war. Weber, (Prof. Heinz Weber, MB), der den Atila in mir erkannt hatte, bat mich sehr, doch zu bleiben, und wäre ich geblieben, dann hätte ich auch aus der Schule was gemacht. Die Zeitungslorbeern zu dem Fest haben die Stümper, die Unfähigen eingeheimst, ohne meinen Widerspruch, ich habe sie ihnen gelassen.“ (An Herta Sperling, 23.3.1959)

Zu seinem Leben als Wanderprediger

“ Es gibt keine Privat-Angelegenheiten. Ein jede Angelegenheit ist eine öffentliche. ”

„Mein Schicksal zwischen 1921-1927 (1927, wo ich den Boden auf dem Boden Kornträgergang 60 wieder unter meine Füße bekam), war ein von mir selbst gewähltes individuelles Einzelschicksal. Ich hatte damals meinem Vorbild, an welches ich mich hielt, wie jeder anständige Mensch in meiner Lage, wenn er ein solches Vorbild hat, alles geopfert: Ehe, Wohnung, Möbel, Bankkonto, Beruf, auch meine Kleider, und lief als augenscheinlicher Lump in der Welt herum. Wir liefen also herum wie Jesu und seine Jünger und waren es auch, ohne festes Obdach, wie schliefen bei Sympathisierenden, in Wartesälen, in Treppenfluren, auf Böden, unter Viadukten, in Anlagen, in Wäldern, Scheunen, Schuppen, Gärten, redend, kämpfend, vom Pöbel gemieden, angespuckt, wie Übeltäter, von den Behörden gejagt.“ (An H. Sperling 22.3.1959)

Zur eigenen Kunst

„Ich bin autodidaktischer Künstler und habe nur an meinen Fehlern gelernt. Meine Kunstwerke werden einmal Millionen wert sein. (1929). Ich selbst bediene mich aller Stile. Sie sind für mich Nebensache. Hauptsache ist das, was man auszusagen hat.“ (Nach 1933)

“Ich bin eitel und möchte, das[s] mein Namen wieder bekannt wird.”

“Wie ich zu meiner Formenwelt komme? Ich tauche und wenn ich Glück habe, komme ich mit einem Fisch nach oben, mit einem kleinen oder einem Walfisch, manchmal auch nur mit Seegras; aber nichts nimmt mir den Mut …”

“ Mein Schaffen ist ganz modern. ” 1950

“Und die Not?? Ich kenne nur eine Not – die geistig-seelische; die andere stört mich nicht, sie ist mir eine Peitsche, die ich eher liebe als hasse, denn sie treibt mich weiter und weiter und lässt geistiges Glück gebären, welches wiederum materielles Glück nach sich zieht. In allem geht der Geist voran; er lässt uns das Ziel erreichen, eine vom Leben durchdrungene, eine lebendige Kunst zu finden, die sich ihre eigenen Formen und Gesetze schafft, das ganze Leben danach verwandelt und den Menschen selbst, und das ist das Letzte und Höchste.”

Zur Teppichweberei

“Wenn ich einen Bildwandteppich anfange, dann habe ich keinen Plan und keine Vorstellung. Ich webe blind drauf los, kann auch das Gewebte nicht überschauen und bin immer nachher neugierig und überrascht, was daraus geworden ist; oft kommt es mir vor, als ob ich es selbst gar nicht gemacht hätte, sondern jemand in mir.”

“Beim Bildteppichweben und überhaupt bei der Kunst muss man Mut in seinem Herzen haben und Glaube(n); was ohne dieses beides hergestellt wird, hat Ascheimerwert.” (An H. Sperling 1958)

Zur Menschheit

“Auch im nüchternen Menschen sind Kobolde, die an ihm formen, wenn sie erwachen.” (1929)

“An Deinem Elend bist Du Mensch nur selber schuld.” (1929)

“Alle Staaten und Staatsformen und alle Kulturen und Lebensformen und jeder Lebensausdruck sind nur Wege, „Wege zum Menschen“. Vergängliche Mittelsprossen an langen Leitern, weite Wege. deshalb kann ich kein Künstler, kein Gelehrter, kein Verkünder, kein Lenker sein, wenn ich kein Mensch bin.” (Gedenke, Collage, 1962)

“Dienst an der Menschheit ist dauernder Selbstmord.”

Wandspruch im Atelier, 1929

Zur Gesundheit

“Wenn ein Mensch krank ist, muss er fasten, hungern. – Ein Kranker, der liegen muss, braucht keine Nahrung, Ruhe braucht ein kranker Körper und keine Nahrung. Allenfalls Wasser.” (An M. Gerken 22.11.1967)

Zum Künstlerdasein

“Das Gute für mich habe ich immer erst erkannt, als es vorüber war.”

“Solange man noch steigt, kann man noch nicht fallen. Und wenn du sinkst, lass dich ruhig sinken. Du wirst schon wieder steigen, wenn du wer bist. Wenn du aber niemand bist, dann ist alles gleichgültig.” (Nach 1933)

“Ich will bei meiner Arbeit Abstand von mir selbst. – Der Gott in mir soll es gearbeitet haben, oder der Satan meinetwegen, wenn es ein guter ist … Anders sein wollen als die Anderen, das ist es, was den Einzelnen ausmacht. Nicht mitschwimmen, auch im Alter nicht, sondern gegen den Strom. Jeder Mensch hat eine eigene Linie in sich, die muss er finden, und das ist schon schwer, denn er muss sie ja bejahen, das ist schwerer und dann sich durchkämpfen, das ist das schwerste.” (An H. Sperling 7.8.1957)

“ Wer selbst sein Meister ist und sich beherrschen kann, dem ist die Welt und alles untertan. Original sein, nicht Abklatsch. Abklatsch passt sich an.”

“Was ich will? Kunst verwirklichen! Volksnah, menschennah machen. – Kunst, in der nicht Kampf und Herausforderung ist, ist faul und flau, undauerhaft wie ein schlechtes Gewebe. In der Kunst müssen die Meinungen aufeinander knallen.” (An H. Sperling 1959)

“Alles Heutige hat Ascheimerwert – ich habe bleibenden Wert.” (24.3.61)

“Ich bin Exzentricker (sic!), Ausgefallener, Wahrheitssucher und passe überhaupt nicht in diese Welt und müsste danach trachten, so schnell wie möglich wieder aus ihr heraus zu kommen und kann doch den Ausgang nicht finden. – ich muss hier bleiben und Gartenzwerge machen, oder Garten-Riesen.” (An Magda Gerken 14.11.1961)

“Ich bin also mehr oder weniger auch ein bisschen das „LICHT DER WELT“. – Ich habe fast immer den Mut zur Wahrheit. Bin immer Feuer, zündend, – Brandstifter und fürchte des Brandstifters Strafe nicht.” (An M. Gerken 25.6.1962)

“Mein Dachboden war fünf Jahre lang geistiger und künstlerischer Mittelpunkt.”

“Ich bin dazu in die Welt gekommen, dass ich an ihr stark und frei werde.”

“Außer mir ist nichts – in mir wohnt die ganze Fülle der Gottheit.”

“Original sein, nicht Abklatsch. Abklatsch passt sich an.”

Zu Thereses Tod

“Unsere geistige Kraft kann nicht zerfallen, was keinen Körper hat, kann nicht zerfallen. Wohl weicht der Geist, wenn der Körper zerfällt, wie aus dem Ballon das Gas. Aber der entwichene Geist kann so wenig sterben, wie das entwichene Gas. – Geistige Kraft schmückt den Körper. Von innen und somit auch von außen … Wo Schatten ist, da ist auch Sonne. – Und der Tod das ist der traumlose Tiefschlaf, den wir nicht fühlen, – der uns alles vergessen macht. – Aber nachher fühlen wir, wie sich die Kräfte wieder regen. Im Neugeborenen stärken wir uns am neuen Leben, das wir nun wieder ausweiten.” (Therese, 1970)

Zu Religion und Kirche

“Alles kann vom Menschen abgeändert werden, auch Gott, denn er ist seine Erfindung.”

“Ich bin der Herr mein Gott, ich will keine Götter neben mir.” (Collage, 1964)

“Also echte Religion das ist die gute Tat, und überall in unserem Leben drin, in Arbeit, Kunst und allem Denken.”

“Die Kirchen dürfen nicht mit echter Religion verwechselt werden, die es nur im Leben selbst geben kann. Die Kirchen sind nur der Lärm um die Religion herum … Der Kernwille aber eines jeden echten ERLÖSERS ist der, den anderen vorzuleben, wie man durch Kampf gegen sich selbst vom lasterhaften Tiermenschen sich zum unsündigen Gott erheben kann, durch Abstand, also von all dem, was uns zieht, uns befreit von Lebensangst und Todesfurcht, weil nichts sterben kann, sondern sich alles nur unablässig verwandelt. Ist unsere Erde aufgebraucht, dann geht unser Leben auf einer anderen Erde weiter, es lohnt nicht, die alte festhalten.” (An M. Gerken, 25.4.1960)

“Alles kann vom Menschen abgeändert werden, auch Gott, denn er ist seine Erfindung.”

Zu Natur, Kosmos, Weltall

“An der Natur kann man sich füllen, wenn man nichts mehr in sich hat. – Und dann der Himmel, Kosmos und das All, gemessen an uns herrlichen Menschen, ein Nichts. – Feuer, Metall, Dreck und hohler eisiger Raum. – Zu rechtfertigen nur durch die paar Erden in unserem Stadium, die es mit Menschen darauf, ähnlich wie wir geben muss. – Und mit Wohnungen darauf, vielleicht auch für uns, mit Flecken, wohin wir geboren werden …” (Therese, 1970)